22.04.2026 – Markus Angst
Turnier

FIDE Social Chess Award 2025 für Hans Altherr, Trainer beim Schachprojekt im Gefängnis Saxerriet

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Hans Altherr (rechts) wurde mit dem Social Chess Award 2025 ausgezeichnet. Links SSB-Zentralpräsident André Vögtlin, in der Mitte ZV-Mitglied Prabitha Urwyler, Leiterin des Ressorts Social Chess und Marketing.

Vor zweieinhalb Jahren begann das Gefängnis Saxerriet, Schach als Freizeitaktivität anzubieten. Anlass dafür war die Teilnahme an der online ausgetragenen Gefangenenschach-Weltmeisterschaft mit über 100 Mannschaften aus der ganzen Welt. Im Jahr 2025 wurde das Engagement des Gefängnisses von der FIDE mit einer Medaille für seinen aussergewöhnlichen Beitrag ausgezeichnet, und Hans Altherr erhielt den Social Chess Award 2025.

Seit dem ersten Turnier hat sich viel getan: Ein Gartenschach wurde eingerichtet, mehrere Schachbretter und Uhren angeschafft sowie Schachbücher bereitgestellt. Zusätzlich steht – wie Sie einem Artikel in der «Schweizerischen Schachzeitung» 2/25 entnehmen können – Hans Altherr als Trainer zur Verfügung. Er organisiert alle zwei Wochen abends ein Schachtraining für die Insassen. In den Trainingsstunden werden mithilfe eines Theorieboards Schachstellungen analysiert, Übungen gemacht und natürlich auch Partien gespielt.

Eine entscheidende Rolle für die Einführung des Schachprojekts in Saxerriet spielte Fabian Benz, Fachspezialist Vollzugsdienste, der die Initiative ermöglichte und die Türen zur Vollzugsanstalt öffnete. Fabian Benz und Hans Altherr sind zwei Glücksfälle für die Social Chess Initiative: Benz, weil er mutig und offen genug war, sich auf das Experiment einzulassen, und Altherr, weil er sich nach einem Artikel auf der SSB-Website spontan als Schachtrainer zur Verfügung stellte.

Schach hat im Gefängnis eine besondere Bedeutung

Ist das alles nur ein Zeitvertreib? Ganz und gar nicht! Auf die Frage, welche Bedeutung Schach für die Insassen hat, antwortet Fabian Benz ohne zu Zögern: «Unsere Insassen sind es nicht gewohnt, Entscheidungen für sich zu treffen. Der Alltag im Vollzug ist durch strikte Regeln und einen straffen Zeitplan geprägt. Beim Schachspielen haben sie die Möglichkeit, eigenständige Entscheidungen zu treffen – und auch zu lernen, mit schlechten Entscheidungen umzugehen.»

Saxerriet als offene Vollzugsanstalt hat das Ziel, die Gefangenen auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Aus diesem Grund hat Schach im Gefängnis nach wie vor eine besondere Bedeutung.

Auch Hans Altherr betont, dass das Interesse der Insassen zwar saisonalen Schwankungen unterliegt – im Winter meist höher als im Sommer – und von Zugpferden abhängt, die auch andere Insassen begeistern können. Wenn engagierte Spieler entlassen werden, kann es vorkommen, dass zeitweise niemand am Training teilnimmt. Um dem entgegenzuwirken, wurde eine neue Strategie zur Rekrutierung von Spielern etabliert: Insassen, die in ihrer Freizeit andere Strategiespiele wie beispielsweise Dame spielen, werden gezielt angesprochen und motiviert, am Schachtraining teilzunehmen. Derzeit gibt es sieben Spieler, die regelmässig mitmachen.

Die strategischen Denkfähigkeiten stärken

Wir konnten zudem mit einem Insassen sprechen, um herauszufinden, warum er am Training teilnimmt. Seine Antwort war klar: «Schach ist ein Strategiespiel, bei dem man denken muss. Das reizt mich, auch wenn ich vorher nie Schach gespielt habe.» Er sieht darin eine Gelegenheit, seine strategischen Denkfähigkeiten zu stärken – eine Fähigkeit, die ihm auch nach seiner Zeit in Saxerriet von Nutzen sein wird.

Einige Insassen, die die Anstalt bereits verlassen haben, spielen weiterhin regelmässig Schach und besuchen sogar Turniere. «Das ist für uns ein positives Signal und ein Beweis dafür, dass sich unsere Bemühungen gelohnt haben», sagt Prabitha Urwyler, Leiterin des Ressorts Social Chess und Marketing im SSB-Zentralvorstand. «Wenn wir einem Menschen durch die Schachinitiative einen besseren Start in ein neues Leben ermöglichen, ist der Erfolg offensichtlich.»

Saxerriet will auch weiterhin an den Gefägnisturnieren teilnehmen und hofft auf genügend Interesse und Mut der Insassen sich auch in Zukunft der Herausforderung zu stellen.

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